Putsch-Chronik (Tages-Anzeiger)


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Inhaltsverzeichnis (mit Hyperlinks)

Speight angeklagt (2.8.2000) 

Die Militärs am Drücker (28.7.2000) 

Rebellenchef verhaftet (27.7.2000) 

Die Demokratie versinkt im Südpazifik (21.7.2000) 

Trauerspiel auf Fidschi (20.7.2000) 

Fidschis neue Regierung (19.7.2000) 

Zahlen und Fakten: Ski alpin (14.7.2000)

Geiselnahme beendet (14.7.2000) 

Terrorist will Premier werden (13.7.2000) 

Abkommen auf Fidschi (10.7.2000) 

Fidschi in Bankierhand (4.7.2000) 

Militär will neue Regierung (29.6.2000) 

Vier Geiseln freigelassen (26.6.2000) 

Die Armut stiftet Aufruhr in der Südsee (8.6.2000) 

Fidschi sinkt immer tiefer ins Chaos (31.5.2000) 

Präsident abgesetzt (30.5.2000) 

Vorläufiger Sieg für Putschisten in Fidschi (26.5.2000) 

Manager als Putschist (24.5.2000) 

Krise auf Fidschi spitzt sich zu (22.5.2000) 

Zivilisten putschen auf Fidschi (20.5.2000) 

Speight angeklagt (2.8.2000)

Suva. - Der inhaftierte und des Hochverrats verdächtigte Rebellenführer auf den Fidschi-Inseln, George Speight, ist zunächst nur wegen geringerer Gesetzesübertretungen angeklagt worden. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Haftstrafe von einem Jahr. Wegen Hochverrats werde aber nach wie vor ermittelt, sagte ein Polizeisprecher. Speight wird vorgeworfen, an der verbotenen Bestattung eines Anhängers auf dem Parlamentsgelände beteiligt gewesen zu sein sowie sich mit illegal Bewaffneten verbündet zu haben. (AP)  

Die Militärs am Drücker (28.7.2000)

Auf Fidschi hat die Armee Dutzende von Anhängern des Putschistenführers George Speight verhaftet. Ihm selbst soll der Prozess gemacht werden.

Von Urs Wälterlin, Sydney

Die Tage des Glücks scheinen für Rebellenführer George Speight zu Ende zu sein. Wenige Stunden nach Speights Inhaftierung (vgl. TA von Donnerstag) stürmten fidschianische Sicherheitskräfte eine Schule, die als Treffpunkt von Speights Anhängern gedient haben soll. Bei der Attacke wurden 40 Menschen verletzt, ein Mann kam ums Leben. Unter den 369 verhafteten Personen befinden sich auch Soldaten, die während der Rebellion Speight unterstützt hatten. Offenbar als Vergeltung nahmen kurz darauf Anhänger Speights zwei aus Neuseeland stammende Piloten als Geiseln.

Schande für Fidschi

"Die Krise dauert schon zu lange", begründete ein Armeesprecher das harte Vorgehen gegen die Rebellen. Der Putsch habe den Fidschianern Schande gebracht. Am 19. Mai hatten Putschisten unter Anführer George Speight das Parlament in der Hauptstadt Suva gestürmt und zahlreiche Regierungsmitglieder als Geiseln genommen. Erst 56 Tage später wurden die Gefangenen, unter ihnen der indisch-stämmige Premierminister Mahendra Chaudhry, freigelassen. Die Putschisten forderten mehr Einfluss für die Ureinwohner, die eine knappe Mehrheit der Bevölkerung stellen. Speight hatte im Verlauf des Coups die Absetzung Chaudhrys und die Aufhebung der Verfassung durchgesetzt.

Anklage wegen Hochverrats

Als die im Parlament festgehaltenen Geiseln vor zwei Wochen freigelassen worden sind, hatte man Speight und seinen Anhängern noch Straffreiheit zugesichert. Nach Ansicht der Armeeführung hat Speight indes sein Versprechen nicht gehalten, sämtliche Waffen abzugeben. Daher bleibe er bis auf weiteres in Haft. Speight droht nun eine Anklage wegen Hochverrats und - zumindest auf dem Papier - die Todesstrafe.

Beobachter sind nicht überrascht, dass die Armee jetzt hart durchgreift. Um das Leben der Gefangenen nicht zu gefährden, hielten sich die Militärs während des Putschs zurück.

Das Vorgehen gegen die Rebellen steht möglicherweise im Zusammenhang mit der erwarteten Bekanntgabe der neuen Kabinettsliste durch Präsident Ratu Iloilo. Anfang der Woche hatte Speight eine Sitzung mit Iloilo wütend verlassen, offenbar weil dieser nicht genügend seiner Gefolgsleute in die neue Regierung berufen wollte.  

Rebellenchef verhaftet (27.7.2000)

Zwei Monate nach dem Putsch auf den Fidschi-Inseln haben Soldaten Rebellenführer George Speight und drei seiner Vertrauten festgenommen.

Suva. - Speight wurde nach Angaben des Militärs zusammen mit seinem Rechtsberater, seinem Sprecher und einem Leibwächter verhaftet. Zuvor habe es einen Schusswechsel gegeben, bei dem aber offenbar niemand verletzt worden sei. Speight wird beschuldigt, den Präsidenten von Fidschi bedroht zu haben. Es lägen eine Reihe von Anschuldigungen aus Suva und Umgebung vor, dass Speight und seine Anhänger Waffen getragen und das Staatsoberhaupt bedroht hätten, teilte ein Militärsprecher mit.

Beobachter erwarten, dass die Festnahme des Putschistenführers die Spannungen in dem Pazifikstaat weiter verschärft. Speight und seine Anhänger hatten am 19. Mai das Parlament gestürmt und hielten acht Wochen lang unter anderem den abgesetzten Ministerpräsidenten Mahendra Chaudry in ihrer Gewalt.

Als Teil eines Abkommens, in dessen Folge die im Parlament festgehaltenen Geiseln vor zwei Wochen freikamen, wurde Speight und seinen Anhängern Straffreiheit zugesichert. Diese Amnestie sei allerdings an die Voraussetzung gebunden, dass die Rebellen alle Waffen abgeben, so liess das Militär verlauten. Dies sei augenscheinlich nicht passiert.

Nachdem Australien, Neuseeland und die USA bereits Sanktionen gegen Fidschi verhängt hatten, drohte nun auch die EU mit Strafmassnahmen. Dazu könnte die Einstellung der Entwicklungshilfe in Höhe von rund 38 Millionen Franken jährlich gehören. (AP)  

Die Demokratie versinkt im Südpazifik (21.7.2000)

Die Südsee schreibt internationale Schlagzeilen mit Putschen auf Fidschi und den Salomoninseln. Warum?

Von Urs Wälterlin, Sydney

Leise plätschern die Wellen an den Strand. Während die Sonne im Meer versinkt, ist nur das Zirpen der Heuschrecken zu hören in Viti Levu, einem Badeort auf Fidschis Hauptinsel. Niemand ist da, die Stimmung zu geniessen. Die Touristen haben das Ferienparadies verlassen, und die Einheimischen bleiben lieber zu Hause. Auf Fidschi herrscht Ausnahmezustand. In den Strassen patrouillieren Soldaten. Es dürfte Jahrzehnte dauern, bis sich die Inseln im Südpazifik von den Unruhen der letzten Wochen und Monate erholen.

Fidschi, die Salomoninseln - das "Südseeparadies", wie die Region im Nordosten von Australien von Reiseveranstaltern genannt wird - haben sich in kürzester Zeit zu einem Gebiet entwickelt, das man laut Warnung westlicher Regierungen genauso wenig bereisen sollte wie nach Afghanistan. Während sich die Situation im weiter östlich gelegenen Polynesien nach Beendigung der französischen Atomtests auf Mururoa beruhigt hat, scheint die Krise in Melanesien mit den Regierungsumstürzen in Fidschi und auf den Salomoninseln gerade erst begonnen zu haben. Melanesien - Griechisch für "schwarze Inseln" -, das sind die unabhängigen Staaten Papua-Neuguinea, die Salomoninseln, Fidschi, Vanuatu sowie das französiche Territorium Neukaledonien. Schliesst man auch Irian Jaya ein, die von Indonesien beherrschte westliche Hälfte der neuguineischen Insel Papua, leben rund acht Millionen Menschen in diesem Teil der Welt.

Der Sieg der Antidemokraten

Melanesien ist alles andere als eine homogene Einheit: Nicht viel mehr als die dunkle Hautfarbe verbindet die Einwohner. Die Menschen sind durch 1000 verschiedene Sprachgruppen und eine Vielzahl unterschiedlichster kultureller Praktiken, Philosophien und Religionen voneinander getrennt. Zwar gibt es seit Jahrhunderten wirtschaftliche und soziale Verbindungen zwischen den einzelnen Ländern und auch Kontakte zu Polynesien und Mikronesien, den beiden anderen ozeanischen Inselgruppen. Trotzdem sind die meisten Melanesier verbissene Verfechter ihrer Identität und Unabhängigkeit.

Vor diesem Hintergrund müssen die jüngsten Unruhen gesehen werden, sagt der australische Journalist Hamish McDonald, ein Kenner der Region. "Angst vor der Verdrängung durch Aussenseiter, wie das bei den australischen Aborigines und den neuseeländischen Maoris der Fall war, und Bindung ans Land" seien die treibenden politischen Faktoren in Melanesien.

Neu ist der Kampf um Eigenständigkeit und gegen fremde Einflussnahme nicht, wie das Beispiel Papua-Neuguinea zeigt. Seit über 30 Jahren wehrt sich dort die Befreiungsbewegung Free Papua Movement (FPM) mit begrenzten Mitteln gegen die ihrer Ansicht nach illegale Besetzung ihres Bodens. Die gewaltsame Absetzung der demokratisch gewählten Regierung in Fidschi hat dem Unabhängigkeitswillen vieler Völker der Region eine neue Dimension verliehen. Putschistenführer George Speight demonstrierte, wie einfach es ist, der Demokratie die lange Nase zu zeigen. Er fordert eines: Vorrechte für die indigenen Fidschianer. Die Wahl des indisch-stämmigen Premierministers Mahendar Chaudhry letztes Jahr hatten viele nationalistsche Urbewohner als Affront empfunden. Die Inder, die 43 Prozent der Bevölkerung stellen, sollen wieder auf Platz zwei in der sozialen Hierarchie zurückgedrängt werden. Da waren sie bis 1997 auch gewesen, bevor Fidschi eine neue Verfassung eingeführt hatte.

Fidschi hat Signalwirkung im Pazifik. Die Festnahme und Absetzung von Premier Bartholomew Ulufaálu auf den Salomoninseln vor ein paar Wochen war eine Kopie der Geschehnisse im Nachbarland. Wie in der Fidschi-Kapitale Suva, so auch in Honiara, der Hauptstadt der Salomoninseln auf Guadalcanal: Ein ethnischer Konflikt war Zündstoff. Übersiedler von der dicht bevölkerten Nachbarinsel Malaita hatten begonnen, sich wirtschaftlich und politisch auszubreiten. Das führte zu einem bewaffneten Kampf zwischen Milizen und endete im Coup gegen Premier Ulufaálu.

Auch in Papua-Neuguinea verfehlt Fidschi die Wirkung nicht: Die Befreiungsbewegung FPM fühlt sich in ihrem Kampf bestätigt. Die Regierung ist in einem Umfeld endemischer Kriminalität alles andere als sicher. Speights Erfolg hat korrupten und kriminellen Gegnern von Premier Mekere Morauta Auftrieb verliehen.

Auf Fidschi ist am Dienstag der neu ernannte Präsident Ratu Josefa Iloilo vereidigt worden - der Wunschkandidat von Putschistenführer George Speight. Seine Kabinettsliste lässt er jetzt von Speight überarbeiten. Die Antidemokraten haben gesiegt. Das Land hat sich trotz seiner alten Beziehungen zu Grossbritannien - erst als Kolonie, später als Mitglied des Commonwealth - nie hundertprozentig an die parlamentarische Demokratie gewöhnt. Zu stark sind die Verbindungen der indigenen Fidschianer zum traditionellen Provinz- und Dorfsystem, mit all seinen Rivalitäten und Stammeskämpfen.

Fanatischer Patriotismus

Genau dort, tief in den Gemeinden und nicht im vermeintlichen "Rassenproblem" mit den Indern liegt der Ursprung der Krise. Das über Jahrhunderte funktionierende harmonische System landwirtschaftlicher Selbstversorgung zerbröckelt unter dem Druck der modernen westlichen Konsumgesellschaft. Eine der Folgen der Entwurzelung ist die Flucht in einen fanatischen Patriotismus. In Fidschi nutze eine Gruppe "wachsamer und ehrgeiziger Geschäftsleute" den von Stammesführern geschürten Nationalismus zu ihren Gunsten, sagt Teresia Teaiwa, Pazifikexpertin an der neuseeländischen Victoria-Universität. Dahinter stehe purer Eigennutz.

Auch wenn sich die politische Situation in Suva und Honiara wider Erwarten bald beruhigen sollte, bleibt viel Grund für Pessimismus. Im Pazifik fehlt es - ausser in Papua-Neuguinea - an Rohstoffen, einem soliden wirtschaftlichen Fundament. Die Miniaturstaaten sind abhängig von massiver Finanzhilfe. Diese Abhängigkeit dürfte noch zunehmen, wenn die natürlichen Ressourcen endgültig aufgebraucht sind. Und auf vielen Inseln hat sich längst gezeigt, dass oft an keinerlei Bedingungen gebundene Unterstützung aus dem Westen zu Korruption, kollektiver Lethargie und damit einem weiteren Verlust kultureller Identität führt.  

Trauerspiel auf Fidschi (20.7.2000)

Putschistenführer Speight hat die Einsetzung der neuen fidschianischen Regierung vereitelt.

Suva. - Die Vereidigung des neuen Kabinetts auf den Fidschi-Inseln ist am Mittwoch auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Putschistenführer George Speight erklärte, er sei für die Absage der geplanten Zeremonie verantwortlich. Er zeigte sich unzufrieden mit der Zusammensetzung des Kabinetts, welches der ernannte und am Dienstag vereidigte Präsident Ratu Josefa Iloilo vorgestellt hatte. Seine Anhängerschaft sei nicht ausreichend vertreten, sagte Speight. Darum habe die Zeremonie nicht stattfinden können. Nun habe ihm der Präsident die Kabinettsliste zur Überarbeitung gegeben.

Ziel der Putschisten ist es, die Vorherrschaft der einheimischen Bevölkerung über die indischstämmigen Bewohner zu sichern, die über 40 Prozent der Fidschianer ausmachen. Dem neuen Kabinett sollten - in Einklang mit Speights Forderungen - ohnehin keine Mitglieder indischer Abstammung mehr angehören, dafür zwei Putschisten. Aus dem Büro des neuen Präsidenten verlautete, Angehörige der indischstämmigen Minderheit hätten ihnen angebotene Kabinettsposten zunächst angenommen, aus Angst um ihre Familien dann aber doch abgelehnt.

Nach Neuseeland verhängte auch Australien aus Protest Sanktionen gegen Fidschi. Der australische Aussenminister Alexander Downer kündigte an, dass sein Land die Hilfslieferungen einstellen, die militärischen Beziehungen weitgehend beenden und Studenten und Sportlern die Einreise untersagen werde. Die Olympia-Delegation Fidschis sei von den Sanktionen aber ausgenommen. (AP)  

Fidschis neue Regierung (19.7.2000)

Suva. - Der neu ernannte Präsident von Fidschi, Ratu Josefa Iloilo, hat am Dienstag seine Regierung vorgestellt. Entsprechend den Forderungen des Putschistenführers George Speight, der den demokratisch gewählten indischstämmigen Ministerpräsidenten Mahendra Chaudhry in einem Putsch abgesetzt hatte, gehören dem Kabinett keine Mitglieder indischer Abstammung mehr an. Dafür wurden zwei Anhänger Speights zu Ministern ernannt. Speight lehnte die Regierung dennoch ab und drohte mit einem neuen Aufstand. (AP)  

Zahlen und Fakten: Ski alpin (14.7.2000)

Schneeproblem der Fidschi-Inseln. Das Nationalteam der Fidschi-Inseln sieht sich mit einem Schneeproblem konfrontiert. Aus politischen Gründen lässt die neuseeländische Regierung derzeit keine Sportmannschaften der Fidschis einreisen, wodurch die geplanten Alpintrainings der Insulaner entfallen. Die Qualifikationspläne für die Winterspiele 2002 in Salt Lake City der im letzten Jahr gegründeten Mannschaft sind deshalb gefährdet. Auf den Fidschi-Inseln hatten Putschistenführer George Speight und seine Anhänger am 19. Mai das Parlament gestürmt und 27 Geiseln genommen. Wenige Tage nach dem Putsch übernahm das Militär die Macht.  

Geiselnahme beendet (14.7.2000)

Suva. - Die Geiselkrise in der Republik Fidschi ist nach acht Wochen unblutig zu Ende gegangen: Die bewaffneten Rebellen liessen den ehemaligen Premierminister Mahendra Chaudhry und weitere 17 Politiker in der Inselhauptstadt Suva frei.

Der Grosse Rat der Häuptlinge hat inzwischen den von Rebellenführer George Speight vorgeschlagenen Ratu Iloilo zum Präsidenten gewählt. Rebellenchef Speight wird aller Voraussicht nach nicht in der neuen Regierung vertreten sein. Das Militär kündigte an, seine derzeitigen Machtbefugnisse wieder abzugeben.

Am Donnerstag haben Rebellen neben der Luxusferienanlage auf Turtle-Island weitere Ferienorte besetzt. Wie viele Touristen davon betroffen sind, ist nicht bekannt. Die 40 Touristen aus der Anlage in Turtle-Island konnten die kleine Insel verlassen.

Ein Sieg für Speight

Putschistenführer Speight hat sich mit seinen Forderungen durchgesetzt: Es wurde ein Präsident seiner Wahl bestimmt. Im Übrigen haben die Militärmachthaber einen Vertrag unterzeichnet, der die von den Rebellen kritisierte Verfassung ausser Kraft setzt. Klare Verlierer sind die 43 Prozent Inder im Land, die sich wieder in der Rolle als Menschen zweiter Klasse finden, nachdem ihnen die erst 1997 eingeführte und jetzt aufgehobene Verfassung mehr Rechte garantiert hatte.

Landbesetzungen und die Blockade von Strassen durch Speight-Anhänger in den letzten Tagen lassen zudem befürchten, dass sich die Sicherheitssituation weiter verschärfen wird. Damit könnte der Tourismus, Fidschis wichtigste Einnahmequelle, zum Erliegen kommen. Politiker in Australien und Neuseeland begrüssten zwar die Freilassung der Geiseln, drohten aber für den Fall einer Ausgrenzung der indischstämmigen Bevölkerung mit Sanktionen. (uw/AP)  

Terrorist will Premier werden (13.7.2000)

Sydney. - Die Putschisten auf Fidschi haben am frühen Mittwochmorgen überraschend neun ihrer 27 Geiseln frei gelassen. Mahendra Chaudhry, der inzwischen abgesetzte Premier des Inselstaates, befand sich nicht unter den Glücklichen. Er und die meisten Mitglieder seines Ex-Kabinetts befinden sich seit dem 19. Mai im

Parlamentsgebäude der fidschianischen Hauptstadt Suva in Geiselhaft. George Speight, gescheiterter Geschäftsmann und selbst ernannter Freiheitskämpfer, hält sie gefangen. Er und seine nationalistischen Anhänger, die sich von den indischstämmigen Fidschianern an den Rand gedrängt fühlen, verlangen Vorrechte für die indigenen Bewohner Fidschis.

Speights Entscheid, einen Teil seiner Geiseln freizulassen, kommt unmittelbar nach der Unterzeichnung eines "Friedensvertrags" mit der Armee. Der Rebell erklärte sich darin bereit, ein Urteil des Rates der Stammeshäuptlinge akzeptieren und danach alle Geiseln freilassen zu wollen. Die Häuptlinge werden am Donnerstag über die Zukunft des Pazifikstaates entscheiden, der seit Wochen unter Kriegsrecht steht.

Westliche Beobachter in Suva zeigten sich erfreut und besorgt zugleich über die jüngste Entwicklung. Denn Speight hat inzwischen erklärt, er wolle in der künftigen Regierung sitzen und als Premier amtieren, "wenn mein Volk das wünscht". Die Nachbarländer Australien und Neuseeland haben angekündigt, dass sie den diplomatischen Kontakt mit Fidschi abbrechen, falls es dazu kommt. (uw)  

Abkommen auf Fidschi (10.7.2000)

Eine zivile Übergangsregierung soll Fidschi zur Demokratie zurückführen.

Suva. - Die Putschisten auf den Fidschi-Inseln haben am Sonntag ein Abkommen zur Beendigung der seit sieben Wochen andauernden Geiselnahme im Parlament unterzeichnet. Der Übereinkunft zufolge sollen die 27 Geiseln, unter ihnen der gestürzte Ministerpräsident Mahendra Chaudry, am Donnerstag auf freien Fuss gesetzt werden. Ausserdem verpflichteten sich die Geiselnehmer um den Geschäftsmann George Speight, an diesem Tag ihre Waffen abzugeben. Es handelt sich um das erste Abkommen zwischen den Putschisten und der Militärführung nach wochenlangen Verhandlungen.

Der Vertrag sieht weiter vor, dass der einflussreiche Grosse Stammesrat in Kürze einen neuen Präsidenten, Vizepräsidenten und eine zivile Übergangsregierung bestimmt, die Fidschi zur Demokratie zurückführen sollen. Militärmachthaber Frank Bainimarama hatte erst vor wenigen Tagen eine Übergangsregierung ernannt, die die Putschisten jedoch ablehnten. Bainimarama, der das Abkommen mit unterzeichnete, sagte, das Papier sei "nicht das Ende, sondern der Beginn einer langen Reise". Rund 500 Anhänger Speights verfolgten die Unterzeichnung. Unklar blieb zunächst, ob die Freilassung der Geiseln auch die 28 am Samstag von den Putschisten festgenommenen Soldaten und Polizisten einbezieht.

Speight hatte zusammen mit sechs bewaffneten Komplizen am 19. Mai das Parlament gestürmt und zahlreiche Mitglieder der demokratisch gewählten Regierung als Geiseln genommen. 27 Menschen werden noch immer im Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Suva festgehalten. Nach der zweiten Geiselnahme haben die Aufständischen damit fast 60 Menschen in ihrer Gewalt. Die Putschisten haben Bainimarama wiederholt zum Rücktritt aufgerufen. Die Streitkräfte übernahmen Ende Mai die Kontrolle. Obwohl das Militär die meisten von Speights Forderungen erfüllt hat - darunter die Entmachtung der indischen Minderheit auf Fidschi und die Entwertung der Verfassung von 1997 -, konnte die Staatskrise bislang nicht gelöst werden. (AP)  

Fidschi in Bankierhand (4.7.2000)

In der Pazifiknation Fidschi hat die Militärführung eine zivile Interimsregierung ernannt.

Sydney. - Sieben Wochen nach der Geiselnahme von Premierminister Mahendra Chaudhry ist der Bankier Laisenia Qarase als neuer Ministerpräsident eingesetzt worden. Laut Armeechef Frank Bainimarama soll ein Kabinett mit 19 Mitgliedern während 18 Monaten die Geschicke des Landes führen. Danach würden Neuwahlen ausgerufen. Qarase und seine Minister sollen heute Dienstag vereidigt werden. Dem Kabinett werden voraussichtlich keine indischstämmigen Politiker angehören. Zwei indischstämmige Kandidaten hätten ihre Berufung abgelehnt, hiess es in Militärkreisen. Angeblich fürchten sie um ihre Sicherheit.

Beobachter waren sich am Montag nicht im klaren darüber, welche Konsequenzen die jüngste Entwicklung für das seit 19. Mai dauernde Geiseldrama haben wird. Bewaffnete Rebellen unter der Führung von George Speight hatten vor sieben Wochen das Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Suva gestürmt und Premierminister Mahendra Chaudhry sowie 26 weitere Geiseln festgenommen.

Speight hatte den Rücktritt des indischstämmigen Chaudhry verlangt. Der Rebell und seine Anhänger fordern mehr Rechte für die indigenen Bewohner des Inselstaates und eine Rückkehr zur früheren Verfassung, unter der indischstämmige Fidschianer aufgrund ihrer Rasse benachteiligt waren. Chaudry wurde in der Folge abgesetzt und verhaftet.

Laut Korrespondenten in Suva bereitet sich das Militär in Fidschi auf eine Stürmung des Parlaments vor. Umliegende Gebäude waren vergangene Woche geräumt worden, nachdem Speight vier seiner Geiseln freigelassen hatte. In der Küstenstadt Sigatoka soll ein Oberst eine Spezialeinheit auf die Befreiung der restlichen Geiseln vorbereiten. (uw) 

Militär will neue Regierung (29.6.2000)

Suva. - Das Militär auf den Fidschi-Inseln will eine neue Zivilregierung ernennen, ohne weiter mit den Putschisten zu verhandeln. "Tausende Menschen verlieren ihre Arbeit und haben nichts zu essen, das ganze Land wird erpresst", sagte ein Militärsprecher. Die Armee werde weiterhin die Macht ausüben, aber möglicherweise noch diese Woche eine Übergangsregierung ernennen. (AP)  

Vier Geiseln freigelassen (26.6.2000)

Suva/Sydney. - Auf den Fidschi-Inseln haben die Putschisten nach fünf Wochen vier ihrer 31 Geiseln freigelassen. Die Aufständischen liessen alle weiblichen Gefangenen gehen. Weiter festgehalten werden im Parlament 27 Regierungsmitglieder und Abgeordnete, unter ihnen der bisherige Regierungschef Mahendra Chaudhry. Ungeachtet der versöhnlichen Geste brach die Militärregierung die Verhandlungen mit den Putschisten zur Beendigung der Krise am Sonntag ab. Die Gespräche steckten in der Sackgasse, die Geiselnehmer präsentierten immer neue Forderungen, sagte ein Militärsprecher. Putschistenführer Speight drohte, die Geiselnahme könne noch einen Monat weitergehen. Die Gefangenen kämen erst frei, wenn das Militär die Macht dem Rat der Häuptlinge übertrage, einer Vertretung der Fidschi-Ureinwohner.

Die australische Regierung hat sich unterdessen bereit erklärt, den abgesetzten Premier Mahendra Chaudhry aufzunehmen. Der australische Regierungschef John Howard teilte mit, dieses Angebot gelte auch für andere Einwohner indischer Herkunft der Fidschi-Inseln. (SDA) 

Die Armut stiftet Aufruhr in der Südsee (8.6.2000)

Australien fürchtet, dass die Putschserie im Südpazifik nach Fidschi und den Salomoninseln weitergeht.

Von Urs Wälterlin, Canberra

"Wer seine Nachbarn vernachlässigt, muss dafür bezahlen", fasste der frühere australische Labor-Minister Gordon Bilney die breite Kritik an der australischen Regierung zusammen. Viele sind überzeugt, Canberra sei für den Putsch auf den Salomoninseln mit verantwortlich.

In der Tat hätte die australische Regierung genügend Anhaltspunkte gehabt, um den Coup in Honiara voraussehen zu können. Schon vor Monaten bat der von Rebellen festgesetzte, am Mittwoch jedoch wieder freigelassene Premierminister Bart Ulufa'alu sie um Hilfe. Da sich seine Polizisten mit den Rebellen ihrer jeweiligen ethnischen Gruppe solidarisierten, fragte Ulufa'alu seinen australischen Amtskollegen um die Entsendung von Sicherheitskräften an. Doch Howard winkte ab und offerierte stattdessen, für 50 Polizeibeamte aus Fidschi und anderen Pazifikstaaten zu bezahlen. Die Polizisten kamen nie in Honiara an: Der Coup auf Fidschi Mitte Mai machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Probleme selber lösen

John Howard hat sich in den letzten Jahren kaum noch um gute nachbarschaftliche Beziehungen zu den Miniaturstaaten im Pazifik gekümmert. Hilfsgelder in die Region im Umfang von 436 Millionen Franken pro Jahr flossen zwar weiter. Doch unterliess es der Premier beispielsweise, in den letzten vier Jahren, am Südpazifikforum teilzunehmen, wo die Regierungschefs der Region den Austausch von Informationen pflegen.

Ob eine aktivere Politik Canberras die unterschwelligen Spannungen in einer Reihe vor allem melanesischer Staaten jedoch hätte verhindern können, ist zumindest zweifelhaft. "Wir verlangen vielleicht zu viel von diesen ehemaligen Kolonien, wenn wir glauben, sie seien Nationalstaaten", sagt James Clad von der Georgetown University in Washington. Howards Hinweis, die Salomoninseln müssten mit ihren Problemen selber zurechtkommen, ist nach Ansicht vieler Experten nicht falsch. Denn die Gründe für die Konflikte liegen nicht nur in den ethnischen Spannungen. Jahrzehntelang wurden sie von Kolonialmächten ausgebeutet, und die wenigsten haben heute nennenswerte Einkommensquellen. Die oft vorhandene, aber wegen der grossen Distanz zum Rest der Welt kleine Tourismusindustrie reicht nicht aus, die Bevölkerung zu ernähren.

Vermeintliche Übermacht

Viele Pazifikstaaten leben zu einem wesentlichen Teil von Auslandsunterstützung, James Clad spricht gar von eigentlichen "Entwicklungshilfe-Junkies". Die Cook-Inseln, die auf dem Papier noch teilweise von Neuseeland verwaltet werden, haben eines der höchsten Budgetdefizite der Welt. Mehrere Regierungen im Südpazifik haben beschlossen, ihre Staatskasse mit illegalen Mitteln aufzustocken - etwa mit dem Verkauf von Pässen an chinesische Verbrechenssyndikate oder - wie im Fall von Nauru - mit Geldwäscherei. Früher hat Nauru Phosphat abgebaut und exportiert. Die Bestände dieses Rohstoffs sind jedoch seit längerem erschöpft.

Die Tatsache, dass sowohl auf den Salomoninseln als auch auf Fidschi ethnische Spannungen Auslöser der Konflikte waren, erstaunt in Australien und Neuseeland keine Beobachter. Auf Fidschi war es die indischstämmige Bevölkerung, die Rebellenführer George Speight am 18. Mai dazu veranlasste, die Regierung von Mahendra Chaudhry im Namen der indigenen Bevölkerungsmehrheit zu stürzen. Auf den Salomonen war es der schwelende Konflikt zwischen den Bewohnern der Inseln Guadalcanal und Malaita, der am Montag zu einem Coup führte. In beiden Fällen wurde die schwierige ökonomische Situation durch eine vermeintliche wirtschaftliche Übermacht einer einzelnen Volksgruppe verschärft. Auf Fidschi sind die Inder dominant, auf der Salomoninsel Guadalcanal kontrollieren übergesiedelte ehemalige Bewohner Malaitas den Grossteil der Wirtschaft. Und wie auf Fidschi ist auch im Geschäftsleben auf den Salomoninseln Korruption Teil des Alltags.

Angst um Papua-Neuguinea

Für Marie-Louise O'Callaghan, Korrespondentin der Tageszeitung "The Australian" in Honiara, steht ausser Frage, dass die Rebellen auf den Salomoninseln durch den Coup auf Fidschi ermutigt worden sind. Sie befürchtet, dass Fidschi und die Salomonen nur der Beginn eines eigentlichen "Dominos von Regierungsumstürzen" im Pazifik sind.

In Canberra macht man sich ernsthaft Sorgen, dass es im Nachbarland Papua-Neuguinea zu einer ähnlichen Entwicklung kommen könnte. Premierminister Mekere Morauta sieht sich einer ähnlichen Situation gegenüber wie seine Amtskollegen auf Fidschi und den Salomoninseln: Ethnische Spannungen im Vielvölkerstaat blockieren die wirtschaftliche Entwicklung, Korruption und Kriminalität nehmen ständig zu, die Staatskasse lebt trotz des grossen Rohstoffreichtums zu einem wesentlichen Teil von Auslandshilfe. Howard lobte Morauta als einen "ehrlichen Premierminister, der eine korrupte politische Kultur herausfordern will". An genau diesen Idealen sind Morautas Amtskollegen in Suva und Honiara gescheitert.  

Fidschi sinkt immer tiefer ins Chaos (31.5.2000)

Die Militärregierung auf Fidschi hat sich der Haupt- forderung der Putschisten gebeugt und die multi- ethnische Landesverfassung aufgehoben.

Von Urs Wälterlin, Sydney

Militärkommandant Frank Bainimarama unterzeichnete am Dienstag ein Dekret, das die 1997 geänderte Verfassung mit sofortiger Wirkung für nichtig erklärt. Putschisten-Chef George Speight hatte gefordert, dass nur eingeborene Fidschianer Regierungschef werden dürften. Speight hält sich seit dem 19. Mai mit rund 30 Geiseln - unter ihnen der indischstämmige Ministerpräsident Mahendra Chaudhry - im Parlament verschanzt. Mit Ratu Epeli Nailatikau wurde ein Schwiegersohn des am Montag zurückgetretenen Präsidenten Mara zum Chef der Übergangsregierung bestimmt. Laut Medienberichten verhandelte das Militär, welches das Kriegsrecht ausgerufen hatte, mit den Putschisten über die Freilassung der Geiseln.

Ein Armeesprecher erklärte, durch den Erlass kehre der Inselstaat nun zur Verfassung von 1990 zurück, durch die Fidschianern der Zugang zu hohen Regierungsämtern vorbehalten bleibt. Genau dies hatte der Geschäftsmann und Putschisten-Chef Speight gefordert. Er geniesst Rückhalt in der Bevölkerung und hat sich zum Anwalt der eingeborenen Fidschianer erklärt. Rund 44 Prozent der 800 000 Einwohner des Inselstaates im Pazifik sind jedoch indischstämmig.

Selbst in Australien und Neuseeland, zwei Staaten, die sich ihrer sehr guten Kenntnisse Fidschis rühmen, wurde man vom Ausmass des Aufstandes überrascht. Analysten sind allerdings der Meinung, dass der gegen die indischstämmigen Fidschianer gerichtete Rassismus nur ein Teil des Bildes ist. Sie glauben, dass der Aufstand genauso von Stammes- und Provinzrivalitäten der indigenen Bewohner Fidschis angeheizt wird. Tatsächlich sind Machtkämpfe zwischen den Vertretern einzelner Regionen in Fidschi Alltag. Auch die Geschäftsinteressen der lokalen Politiker spielen eine Rolle bei den Rivalitäten zwischen den Stämmen.

Nach der überwältigenden Wahl der Chaudhry-Regierung vor einem Jahr nahmen Nationalisten der damals kaum bedeutsamen Taukei-Bewegung die Gelegenheit war und machten die "indische Dominanz" für sämtliche inter-ethnischen Frustrationen der indigenen Bevölkerung verantwortlich. Das Resultat war wachsender Unmut gegen die Inder, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert von den britischen Kolonialherren als Zuckerrohrarbeiter ins Land gebracht worden waren und es zu wirtschaftlichem Erfolg gebracht hatten. Mahendra Chaudhry, ein früherer Gewerkschaftsführer, nahm die Gefahr allerdings nicht ernst und machte sich über die Demonstrationen der Taukei-Anhänger lustig. Reformen der Landgesetze taten das ihre, um die Nationalisten weiter in Rage zu bringen. Indigene Fidschianer kontrollieren 83 Prozent des Bodens, den sie an indischstämmige Bauern verpachten. Chaudhry wollte die Landgesetzgebung unter seine direkte Kontrolle bringen - ein Affront für Nationalisten wie George Speight. 

Präsident abgesetzt (30.5.2000)

Suva. - Am elften Tag der Geiselkrise auf den Fidschi-Inseln hat das Militär die Macht ergriffen und das Kriegsrecht verhängt. Der Armeekommandeur Bainimarama hat Präsident Mara abgesetzt und sich selbst zum Machthaber ernannt. Das Militär zog damit die Konsequenzen aus der dauernden Krise auf dem Pazifik-Inselstaat, die durch den Putschversuch des Geschäftsmanns George Speight entstanden war. (SDA)  

Vorläufiger Sieg für Putschisten in Fidschi (26.5.2000)

Das Konzil der Häuptlinge in Fidschi hat sich für die Auflösung der Regierung von Premier Mahendra Chaudhry ausgesprochen.

Von Urs Wälterlin, Sydney

Auch am Donnerstag glich der Park beim Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Suva einem Festplatz. Frauen tanzten und sangen, zum Essen gab es Spanferkel. Gleich daneben, im Parlamentsgebäude, ging die jüngste Tragödie in Fidschi weiter. Der Geschäftsmann George Speight hatte am vergangenen Freitag mit einer Gruppe bewaffneter Männer die Volksvertretung gestürmt und hält noch immer 30 Menschen als Geiseln, unter ihnen der Premier und mehrere Minister.

Straffreiheit für Speight

Am Donnerstag teilte das mächtige Konzil der Häuptlinge mit, es habe mit Präsident Kamisese Mara einen Kompromiss ausgehandelt. Danach soll die Regierung für drei Jahre neu besetzt werden. Premierminister Mahendra Chaudhry werde durch einen indigenen Bewohner Fidschis abgelöst. Er müsse von seinem Amt zurücktreten. Speight und seine bewaffneten Anhänger würden für den Coup nicht zur Verantwortung gezogen.

Chaudhrys Laborpartei hat vor einem Jahr nach einem Wahlsieg die Macht in Suva übernommen. Speight und seine Anhänger behaupten, die indische Minderheit in Fidschi beschneide die Rechte der indigenen Bewohner des Inselstaates. Die Nachkommen indischer Plantagenarbeiter kontrollieren heute wesentliche Teile der Wirtschaft in Fidschi und pachten Boden von indigenen Fidschianern. Speight erklärte die Verfassung als aufgehoben und will den Indern das Wahlrecht entziehen. Während es in Suva zu Plünderungen und Brandschatzung indischer Geschäfte kam, wuchs die Anhängerschaft der Putschisten schnell an.

Sanktionen angedroht

Experten meinten am Donnerstag, die Stammesführer hätten bei dem Entscheid nicht an die Reaktion der internationalen Gemeinschaft gedacht. Australien, traditionell ein enger Verbündeter von Fidschi, reagierte mit Empörung auf die Nachricht aus Suva. Aussenminister Alexander Downer sagte, er werde einen erzwungenen Rücktritt des demokratisch gewählten Chaudhry nicht akzeptieren und gegen Fidschi wirtschaftliche und politische Sanktionen durchsetzen.

Verschiedene Beobachter glauben, Premierminister Mahendra Chaudhry werde nicht freiwillig von seinem Amt zurücktreten. "Er ist ein sehr starker Mann", sagt ein früherer Ministerkollege. Der erste indischstämmige Regierungschef von Fidschi wird von den Putschisten noch immer als Geisel gehalten. Er wurde schon mehrmals misshandelt und mit dem Tode bedroht.

Ausschreitungen weiten sich aus

Das Urteil der Häuptlinge hat die Situation der Inder in Fidschi weiter verschlechtert. Auch am Donnerstag gingen die Angriffe auf Geschäfte indischer Bewohner weiter. Mehrere Häuser wurden geplündert und in Brand gesteckt. Die Ausschreitungen haben sich inzwischen auf andere Regionen der Republik ausgedehnt. 

Manager als Putschist (24.5.2000)

In Fidschi wird das Parlament weiterhin besetzt. Der Rädelsführer, George Speight, ist ein Geschäftsmann mit dubioser Vergangenheit.

Von Urs Wälterlin, Christchurch (Neuseeland)

George Speight, der mit einer Gruppe bewaffneter Männer Premierminister Mahendra Chaudhry in seine Gewalt genommen hatte, war vor wenigen Tagen noch ein Unbekannter. Heute hält er buchstäblich den Finger am Drücker und wird massgeblich über die Zukunft des Pazifikstaats entscheiden. Freunde aber scheint sich der ehemalige Computerfachmann und Anlageberater in der Vergangenheit wenige gemacht zu haben. Sogar seine eigene Stiefmutter bezeichnet ihn und seine Anhänger als eine "Bande von Schlägern". Für den neuseeländischen Aussenminister Phil Goff ist Speight schlicht ein "Gauner" und "Terrorist". Vor kurzem stand Speight wegen Vergehen gegen die Fremdwährungsgesetze und Erpressung vor Gericht.

Trotz seines Schlachtrufs "Fidschi den Fidschianern" ist George Speight kein indigener Bewohner des Inselstaats. Das sagen jedenfalls seine Kritiker. "Er spricht nicht einmal richtig die einheimische Sprache", so Ben Padarath, Sohn des Sozialministers von Fidschi. Trotzdem scheint Speight mit seiner gegen die indische Minderheit gerichteten Polemik den Nerv indigener Fidschianer getroffen zu haben. Seit Beginn der Geiselnahme vor fünf Tagen nimmt die Unterstützung für den glatzköpfigen Coup-Anführer stündlich zu. Am Dienstag standen die Menschen von Fidschi Schlange, um ihn umarmen und küssen zu können.

Offene Rechnungen mit dem Premier

Inzwischen hat der einflussreiche Rat der Stammesführer Speights Putschversuch verurteilt. In einer Stellungnahme hiess es, der Rat unterstütze Präsident Ratu Sir Kamisese Mara und verlange eine sofortige Freilassung der Geiseln.

Putschistenführer George Speight, der sich seit Tagen mit Anhängern im Parlamentsgebäude verschanzt hält, hatte zunächst seinen Rückzug für den Fall angekündigt, dass das Gremium seinen Umsturzversuch nicht billige. Später relativierte er diese Aussage. Das Konzil der Stammesführer ernennt den Präsidenten von Fidschi. Dieser wiederum setzt den Regierungschef ein. Während sich der erste indisch-stämmige Premierminister, Mahendra Chaudhry, trotz Pistole am Kopf weigert, sein Amt niederzulegen, ist sich auch die übrige Welt einig, dass sie einen mit Waffengewalt erzwungenen Regierungswechsel nicht tolerieren will. Die neuseeländische Premierministerin, Helen Clark, kündigte den Rückzug ihres Botschafters an, sollten die Rebellen siegen und den indisch-stämmigen Bewohnern - wie angedroht - das Wahlrecht entziehen. Ein Apartheidstaat wäre aber genau das, was Speight möchte. Am Dienstag sagte er, dass die indigenen Einwohner von Fidschi einen Exodus der Inder "in Kauf nehmen" würden, um das "Recht auf Selbstbestimmung wiederherzustellen". Sein Hass gegen die 43 Prozent Fidschianer, die von indischen Plantagenarbeitern abstammen und heute wesentliche Teile der Wirtschaft kontrollieren, ist tief verwurzelt. Das zeigen seine wiederkehrenden, offen rassistischen Sprüche.

Im Übrigen dürfte Speights persönliche Geschichte wesentlich zu den jüngsten Ereignissen in Fidschi beigetragen hat. Als Mahendra Chaudhry vor einem Jahr zum ersten indisch-stämmigen Premierminister gewählt wurde, entliess er als erstes den zwielichtigen Direktor des staatlichen Holzindustrie-Unternehmens - und der hiess George Speight.  

Krise auf Fidschi spitzt sich zu (22.5.2000)

Suva. - Die Putschisten auf den Fidschi-Inseln haben mit der Tötung ihrer Geiseln gedroht, falls der Präsident des Südseestaates die Macht nicht abgibt. Am Sonntag liessen die Rebellen jedoch neun ihrer im Parlamentsgebäude in Suva festgehaltenen Geiseln frei.

Präsident Ratu Sir Kamisese Mara erklärte im Fernsehen, er werde nicht auf die Forderungen der Aufständischen eingehen und sich auch nicht mit Putschistenführer George Speight treffen. Er hoffe aber immer noch, dass die Krise friedlich gelöst werden könne.

Speight hatte am Freitag mit bewaffneten Begleitern das Parlament gestürmt und Regierungschef Mahendra Chaudry und einige Kabinettsmitglieder, darunter auch Maras Tochter, als Geiseln genommen (TA vom Samstag). Die nationalistische Opposition schlug sich unterdessen auf die Seite der Putschisten. In einer gemeinsamen Erklärung forderten die Oppositionsführer Präsident Ratu Mara zum sofortigen Rücktritt auf und warnten vor einem drohenden Bürgerkrieg. Ratu Mara habe "den Kontakt zum Volk der Fidschi verloren". (SDA)  

Zivilisten putschen auf Fidschi (20.5.2000)

Bewaffnete Zivilisten haben auf der Südpazifikinsel Fidschi das Parlament gestürmt und die Regierung unter Hausarrest gestellt.

Suva. - "Die Lage spitzt sich weiter zu. Überall brennt es, überall wird geplündert", berichtete am Freitagabend ein Fernsehjournalist von der Insel Fidschi. Was der Reporter mit dramatischen Worten zusammenfasste, ist das Resultat des dritten Putsches, den der Inselstaat Fidschi in 13 Jahren durchmacht.

Sturm aufs Parlament

Am Morgen hatte eine Gruppe von bewaffneten Zivilisten im Anschluss an eine Demonstration das Parlament gestürmt und Premierminister Mahendra Chaudry sowie sieben seiner Kabinettskollegen unter Hausarrest gestellt. Die Putschisten unter der Führung des Geschäftsmannes George Speight erklärten sich zur neuen Regierung und hoben die Verfassung auf. In der Hauptstadt Suva wurden an mehreren Orten Feuer gelegt und Läden geplündert. Zeugen wollen aus dem Parlamentsgebäude Schüsse gehört haben. Bis Freitagabend lagen keine Angaben über mögliche Tote oder Verletzte vor. Präsident Kamisese Mara erklärte den Ausnahmezustand und meinte, die Machtübernahme sei illegal.

Ethnische Spannungen

In Suva bekundeten 5000 Demonstranten ihre Unterstützung für den Putsch, der sich offenbar gegen den Einfluss der indischen Minderheit richtet. Die Putschisten schlugen am ersten Jahrestag des Wahlsiegs von Premierminister Mahendra Chaudry zu, der indischer Abstammung ist.

44 Prozent der 813 000 Inselbewohner sind indischer Abstammung, 51 Prozent Fidschianer. Chaudry wurde von Fidschi-Nationalisten zuletzt immer heftiger vorgeworfen, eine proindische Politik zu betreiben. Protestkundgebungen hatte Chaudry zu Beginn des Monats verboten. Am 28. April hatten Tausende gegen seine Regierung demonstriert.

Ex-Putschist als Vermittler

Neuseeländische Diplomaten wiesen darauf hin, dass die Streitkräfte den Putsch zunächst nicht unterstützt hätten. Die Situation entspreche eher einer Geiselnahme als einem Staatsstreich.

Mit den Putschisten nahm der frühere Oberst Rabuka im Parlament Verhandlungen auf, wie das neuseeländische Aussenministerium meldete. Rabuka hatte selbst zweimal geputscht und dann zwölf Jahre in Fidschi regiert. (uw./AP)

 

 
 

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Last update: August 27, 2001