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Inhaltsverzeichnis
(mit Hyperlinks) Suva. - Der inhaftierte und des Hochverrats verdächtigte
Rebellenführer auf den Fidschi-Inseln, George Speight, ist zunächst nur wegen
geringerer Gesetzesübertretungen angeklagt worden. Im Falle einer Verurteilung
droht ihm eine Haftstrafe von einem Jahr. Wegen Hochverrats werde aber nach wie
vor ermittelt, sagte ein Polizeisprecher. Speight wird vorgeworfen, an der
verbotenen Bestattung eines Anhängers auf dem Parlamentsgelände beteiligt
gewesen zu sein sowie sich mit illegal Bewaffneten verbündet zu haben. (AP) Auf Fidschi hat die Armee Dutzende von Anhängern des
Putschistenführers George Speight verhaftet. Ihm selbst soll der Prozess
gemacht werden. Von Urs Wälterlin, Sydney Die Tage des Glücks scheinen für Rebellenführer
George Speight zu Ende zu sein. Wenige Stunden nach Speights Inhaftierung (vgl.
TA von Donnerstag) stürmten fidschianische Sicherheitskräfte eine Schule, die
als Treffpunkt von Speights Anhängern gedient haben soll. Bei der Attacke
wurden 40 Menschen verletzt, ein Mann kam ums Leben. Unter den 369 verhafteten
Personen befinden sich auch Soldaten, die während der Rebellion Speight unterstützt
hatten. Offenbar als Vergeltung nahmen kurz darauf Anhänger Speights zwei aus
Neuseeland stammende Piloten als Geiseln. "Die Krise dauert schon zu lange", begründete
ein Armeesprecher das harte Vorgehen gegen die Rebellen. Der Putsch habe den
Fidschianern Schande gebracht. Am 19. Mai hatten Putschisten unter Anführer
George Speight das Parlament in der Hauptstadt Suva gestürmt und zahlreiche
Regierungsmitglieder als Geiseln genommen. Erst 56 Tage später wurden die
Gefangenen, unter ihnen der indisch-stämmige Premierminister Mahendra Chaudhry,
freigelassen. Die Putschisten forderten mehr Einfluss für die Ureinwohner, die
eine knappe Mehrheit der Bevölkerung stellen. Speight hatte im Verlauf des
Coups die Absetzung Chaudhrys und die Aufhebung der Verfassung durchgesetzt. Als die im Parlament festgehaltenen Geiseln vor zwei
Wochen freigelassen worden sind, hatte man Speight und seinen Anhängern noch
Straffreiheit zugesichert. Nach Ansicht der Armeeführung hat Speight indes sein
Versprechen nicht gehalten, sämtliche Waffen abzugeben. Daher bleibe er bis auf
weiteres in Haft. Speight droht nun eine Anklage wegen Hochverrats und -
zumindest auf dem Papier - die Todesstrafe. Beobachter sind nicht überrascht, dass die Armee jetzt
hart durchgreift. Um das Leben der Gefangenen nicht zu gefährden, hielten sich
die Militärs während des Putschs zurück. Das Vorgehen gegen die Rebellen steht möglicherweise
im Zusammenhang mit der erwarteten Bekanntgabe der neuen Kabinettsliste durch Präsident
Ratu Iloilo. Anfang der Woche hatte Speight eine Sitzung mit Iloilo wütend
verlassen, offenbar weil dieser nicht genügend seiner Gefolgsleute in die neue
Regierung berufen wollte. Zwei Monate nach dem Putsch auf den Fidschi-Inseln
haben Soldaten Rebellenführer George Speight und drei seiner Vertrauten
festgenommen. Suva. - Speight wurde nach Angaben des Militärs
zusammen mit seinem Rechtsberater, seinem Sprecher und einem Leibwächter
verhaftet. Zuvor habe es einen Schusswechsel gegeben, bei dem aber offenbar
niemand verletzt worden sei. Speight wird beschuldigt, den Präsidenten von
Fidschi bedroht zu haben. Es lägen eine Reihe von Anschuldigungen aus Suva und
Umgebung vor, dass Speight und seine Anhänger Waffen getragen und das
Staatsoberhaupt bedroht hätten, teilte ein Militärsprecher mit. Beobachter erwarten, dass die Festnahme des
Putschistenführers die Spannungen in dem Pazifikstaat weiter verschärft.
Speight und seine Anhänger hatten am 19. Mai das Parlament gestürmt und
hielten acht Wochen lang unter anderem den abgesetzten Ministerpräsidenten
Mahendra Chaudry in ihrer Gewalt. Als Teil eines Abkommens, in dessen Folge die im
Parlament festgehaltenen Geiseln vor zwei Wochen freikamen, wurde Speight und
seinen Anhängern Straffreiheit zugesichert. Diese Amnestie sei allerdings an
die Voraussetzung gebunden, dass die Rebellen alle Waffen abgeben, so liess das
Militär verlauten. Dies sei augenscheinlich nicht passiert. Nachdem Australien, Neuseeland und die USA bereits
Sanktionen gegen Fidschi verhängt hatten, drohte nun auch die EU mit
Strafmassnahmen. Dazu könnte die Einstellung der Entwicklungshilfe in Höhe von
rund 38 Millionen Franken jährlich gehören. (AP) Die Südsee schreibt internationale Schlagzeilen mit
Putschen auf Fidschi und den Salomoninseln. Warum? Von Urs Wälterlin, Sydney Leise plätschern die Wellen an den Strand. Während
die Sonne im Meer versinkt, ist nur das Zirpen der Heuschrecken zu hören in
Viti Levu, einem Badeort auf Fidschis Hauptinsel. Niemand ist da, die Stimmung
zu geniessen. Die Touristen haben das Ferienparadies verlassen, und die
Einheimischen bleiben lieber zu Hause. Auf Fidschi herrscht Ausnahmezustand. In
den Strassen patrouillieren Soldaten. Es dürfte Jahrzehnte dauern, bis sich die
Inseln im Südpazifik von den Unruhen der letzten Wochen und Monate erholen. Fidschi, die Salomoninseln - das "Südseeparadies",
wie die Region im Nordosten von Australien von Reiseveranstaltern genannt wird -
haben sich in kürzester Zeit zu einem Gebiet entwickelt, das man laut Warnung
westlicher Regierungen genauso wenig bereisen sollte wie nach Afghanistan. Während
sich die Situation im weiter östlich gelegenen Polynesien nach Beendigung der
französischen Atomtests auf Mururoa beruhigt hat, scheint die Krise in
Melanesien mit den Regierungsumstürzen in Fidschi und auf den Salomoninseln
gerade erst begonnen zu haben. Melanesien - Griechisch für "schwarze
Inseln" -, das sind die unabhängigen Staaten Papua-Neuguinea, die
Salomoninseln, Fidschi, Vanuatu sowie das französiche Territorium
Neukaledonien. Schliesst man auch Irian Jaya ein, die von Indonesien beherrschte
westliche Hälfte der neuguineischen Insel Papua, leben rund acht Millionen
Menschen in diesem Teil der Welt. Melanesien ist alles andere als eine homogene Einheit:
Nicht viel mehr als die dunkle Hautfarbe verbindet die Einwohner. Die Menschen
sind durch 1000 verschiedene Sprachgruppen und eine Vielzahl unterschiedlichster
kultureller Praktiken, Philosophien und Religionen voneinander getrennt. Zwar
gibt es seit Jahrhunderten wirtschaftliche und soziale Verbindungen zwischen den
einzelnen Ländern und auch Kontakte zu Polynesien und Mikronesien, den beiden
anderen ozeanischen Inselgruppen. Trotzdem sind die meisten Melanesier
verbissene Verfechter ihrer Identität und Unabhängigkeit. Vor diesem Hintergrund müssen die jüngsten Unruhen
gesehen werden, sagt der australische Journalist Hamish McDonald, ein Kenner der
Region. "Angst vor der Verdrängung durch Aussenseiter, wie das bei den
australischen Aborigines und den neuseeländischen Maoris der Fall war, und
Bindung ans Land" seien die treibenden politischen Faktoren in Melanesien. Neu ist der Kampf um Eigenständigkeit und gegen fremde
Einflussnahme nicht, wie das Beispiel Papua-Neuguinea zeigt. Seit über 30
Jahren wehrt sich dort die Befreiungsbewegung Free Papua Movement (FPM) mit
begrenzten Mitteln gegen die ihrer Ansicht nach illegale Besetzung ihres Bodens.
Die gewaltsame Absetzung der demokratisch gewählten Regierung in Fidschi hat
dem Unabhängigkeitswillen vieler Völker der Region eine neue Dimension
verliehen. Putschistenführer George Speight demonstrierte, wie einfach es ist,
der Demokratie die lange Nase zu zeigen. Er fordert eines: Vorrechte für die
indigenen Fidschianer. Die Wahl des indisch-stämmigen Premierministers Mahendar
Chaudhry letztes Jahr hatten viele nationalistsche Urbewohner als Affront
empfunden. Die Inder, die 43 Prozent der Bevölkerung stellen, sollen wieder auf
Platz zwei in der sozialen Hierarchie zurückgedrängt werden. Da waren sie bis
1997 auch gewesen, bevor Fidschi eine neue Verfassung eingeführt hatte. Fidschi hat Signalwirkung im Pazifik. Die Festnahme und
Absetzung von Premier Bartholomew Ulufaálu auf den Salomoninseln vor ein paar
Wochen war eine Kopie der Geschehnisse im Nachbarland. Wie in der
Fidschi-Kapitale Suva, so auch in Honiara, der Hauptstadt der Salomoninseln auf
Guadalcanal: Ein ethnischer Konflikt war Zündstoff. Übersiedler von der dicht
bevölkerten Nachbarinsel Malaita hatten begonnen, sich wirtschaftlich und
politisch auszubreiten. Das führte zu einem bewaffneten Kampf zwischen Milizen
und endete im Coup gegen Premier Ulufaálu. Auch in Papua-Neuguinea verfehlt Fidschi die Wirkung
nicht: Die Befreiungsbewegung FPM fühlt sich in ihrem Kampf bestätigt. Die
Regierung ist in einem Umfeld endemischer Kriminalität alles andere als sicher.
Speights Erfolg hat korrupten und kriminellen Gegnern von Premier Mekere Morauta
Auftrieb verliehen. Auf Fidschi ist am Dienstag der neu ernannte Präsident
Ratu Josefa Iloilo vereidigt worden - der Wunschkandidat von Putschistenführer
George Speight. Seine Kabinettsliste lässt er jetzt von Speight überarbeiten.
Die Antidemokraten haben gesiegt. Das Land hat sich trotz seiner alten
Beziehungen zu Grossbritannien - erst als Kolonie, später als Mitglied des
Commonwealth - nie hundertprozentig an die parlamentarische Demokratie gewöhnt.
Zu stark sind die Verbindungen der indigenen Fidschianer zum traditionellen
Provinz- und Dorfsystem, mit all seinen Rivalitäten und Stammeskämpfen. Genau dort, tief in den Gemeinden und nicht im
vermeintlichen "Rassenproblem" mit den Indern liegt der Ursprung der
Krise. Das über Jahrhunderte funktionierende harmonische System
landwirtschaftlicher Selbstversorgung zerbröckelt unter dem Druck der modernen
westlichen Konsumgesellschaft. Eine der Folgen der Entwurzelung ist die Flucht
in einen fanatischen Patriotismus. In Fidschi nutze eine Gruppe "wachsamer
und ehrgeiziger Geschäftsleute" den von Stammesführern geschürten
Nationalismus zu ihren Gunsten, sagt Teresia Teaiwa, Pazifikexpertin an der
neuseeländischen Victoria-Universität. Dahinter stehe purer Eigennutz. Auch wenn sich die politische Situation in Suva und
Honiara wider Erwarten bald beruhigen sollte, bleibt viel Grund für
Pessimismus. Im Pazifik fehlt es - ausser in Papua-Neuguinea - an Rohstoffen,
einem soliden wirtschaftlichen Fundament. Die Miniaturstaaten sind abhängig von
massiver Finanzhilfe. Diese Abhängigkeit dürfte noch zunehmen, wenn die natürlichen
Ressourcen endgültig aufgebraucht sind. Und auf vielen Inseln hat sich längst
gezeigt, dass oft an keinerlei Bedingungen gebundene Unterstützung aus dem
Westen zu Korruption, kollektiver Lethargie und damit einem weiteren Verlust
kultureller Identität führt. Putschistenführer Speight hat die Einsetzung der neuen
fidschianischen Regierung vereitelt. Suva. - Die Vereidigung des neuen Kabinetts auf den
Fidschi-Inseln ist am Mittwoch auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Putschistenführer George Speight erklärte, er sei für die Absage der
geplanten Zeremonie verantwortlich. Er zeigte sich unzufrieden mit der
Zusammensetzung des Kabinetts, welches der ernannte und am Dienstag vereidigte
Präsident Ratu Josefa Iloilo vorgestellt hatte. Seine Anhängerschaft sei nicht
ausreichend vertreten, sagte Speight. Darum habe die Zeremonie nicht stattfinden
können. Nun habe ihm der Präsident die Kabinettsliste zur Überarbeitung
gegeben. Ziel der Putschisten ist es, die Vorherrschaft der
einheimischen Bevölkerung über die indischstämmigen Bewohner zu sichern, die
über 40 Prozent der Fidschianer ausmachen. Dem neuen Kabinett sollten - in
Einklang mit Speights Forderungen - ohnehin keine Mitglieder indischer
Abstammung mehr angehören, dafür zwei Putschisten. Aus dem Büro des neuen Präsidenten
verlautete, Angehörige der indischstämmigen Minderheit hätten ihnen
angebotene Kabinettsposten zunächst angenommen, aus Angst um ihre Familien dann
aber doch abgelehnt. Nach Neuseeland verhängte auch Australien aus Protest
Sanktionen gegen Fidschi. Der australische Aussenminister Alexander Downer kündigte
an, dass sein Land die Hilfslieferungen einstellen, die militärischen
Beziehungen weitgehend beenden und Studenten und Sportlern die Einreise
untersagen werde. Die Olympia-Delegation Fidschis sei von den Sanktionen aber
ausgenommen. (AP) Suva. - Der neu ernannte Präsident von Fidschi, Ratu
Josefa Iloilo, hat am Dienstag seine Regierung vorgestellt. Entsprechend den
Forderungen des Putschistenführers George Speight, der den demokratisch gewählten
indischstämmigen Ministerpräsidenten Mahendra Chaudhry in einem Putsch
abgesetzt hatte, gehören dem Kabinett keine Mitglieder indischer Abstammung
mehr an. Dafür wurden zwei Anhänger Speights zu Ministern ernannt. Speight
lehnte die Regierung dennoch ab und drohte mit einem neuen Aufstand. (AP) Schneeproblem der Fidschi-Inseln. Das Nationalteam der Fidschi-Inseln sieht sich mit einem Schneeproblem
konfrontiert. Aus politischen Gründen lässt die neuseeländische Regierung
derzeit keine Sportmannschaften der Fidschis einreisen, wodurch die geplanten
Alpintrainings der Insulaner entfallen. Die Qualifikationspläne für die
Winterspiele 2002 in Salt Lake City der im letzten Jahr gegründeten Mannschaft
sind deshalb gefährdet. Auf den Fidschi-Inseln hatten Putschistenführer George
Speight und seine Anhänger am 19. Mai das Parlament gestürmt und 27 Geiseln
genommen. Wenige Tage nach dem Putsch übernahm das Militär die Macht. Suva. - Die Geiselkrise in der Republik Fidschi ist
nach acht Wochen unblutig zu Ende gegangen: Die bewaffneten Rebellen liessen den
ehemaligen Premierminister Mahendra Chaudhry und weitere 17 Politiker in der
Inselhauptstadt Suva frei. Der Grosse Rat der Häuptlinge hat inzwischen den von
Rebellenführer George Speight vorgeschlagenen Ratu Iloilo zum Präsidenten gewählt.
Rebellenchef Speight wird aller Voraussicht nach nicht in der neuen Regierung
vertreten sein. Das Militär kündigte an, seine derzeitigen Machtbefugnisse
wieder abzugeben. Am Donnerstag haben Rebellen neben der
Luxusferienanlage auf Turtle-Island weitere Ferienorte besetzt. Wie viele
Touristen davon betroffen sind, ist nicht bekannt. Die 40 Touristen aus der
Anlage in Turtle-Island konnten die kleine Insel verlassen. Putschistenführer Speight hat sich mit seinen
Forderungen durchgesetzt: Es wurde ein Präsident seiner Wahl bestimmt. Im Übrigen
haben die Militärmachthaber einen Vertrag unterzeichnet, der die von den
Rebellen kritisierte Verfassung ausser Kraft setzt. Klare Verlierer sind die 43
Prozent Inder im Land, die sich wieder in der Rolle als Menschen zweiter Klasse
finden, nachdem ihnen die erst 1997 eingeführte und jetzt aufgehobene
Verfassung mehr Rechte garantiert hatte. Landbesetzungen und die Blockade von Strassen durch
Speight-Anhänger in den letzten Tagen lassen zudem befürchten, dass sich die
Sicherheitssituation weiter verschärfen wird. Damit könnte der Tourismus,
Fidschis wichtigste Einnahmequelle, zum Erliegen kommen. Politiker in Australien
und Neuseeland begrüssten zwar die Freilassung der Geiseln, drohten aber für
den Fall einer Ausgrenzung der indischstämmigen Bevölkerung mit Sanktionen.
(uw/AP) Sydney. - Die Putschisten auf Fidschi haben am frühen
Mittwochmorgen überraschend neun ihrer 27 Geiseln frei gelassen. Mahendra
Chaudhry, der inzwischen abgesetzte Premier des Inselstaates, befand sich nicht
unter den Glücklichen. Er und die meisten Mitglieder seines Ex-Kabinetts
befinden sich seit dem 19. Mai im Parlamentsgebäude der fidschianischen Hauptstadt Suva
in Geiselhaft. George Speight, gescheiterter Geschäftsmann und selbst ernannter
Freiheitskämpfer, hält sie gefangen. Er und seine nationalistischen Anhänger,
die sich von den indischstämmigen Fidschianern an den Rand gedrängt fühlen,
verlangen Vorrechte für die indigenen Bewohner Fidschis. Speights Entscheid, einen Teil seiner Geiseln
freizulassen, kommt unmittelbar nach der Unterzeichnung eines
"Friedensvertrags" mit der Armee. Der Rebell erklärte sich darin
bereit, ein Urteil des Rates der Stammeshäuptlinge akzeptieren und danach alle
Geiseln freilassen zu wollen. Die Häuptlinge werden am Donnerstag über die
Zukunft des Pazifikstaates entscheiden, der seit Wochen unter Kriegsrecht steht.
Westliche Beobachter in Suva zeigten sich erfreut und
besorgt zugleich über die jüngste Entwicklung. Denn Speight hat inzwischen
erklärt, er wolle in der künftigen Regierung sitzen und als Premier amtieren,
"wenn mein Volk das wünscht". Die Nachbarländer Australien und
Neuseeland haben angekündigt, dass sie den diplomatischen Kontakt mit Fidschi
abbrechen, falls es dazu kommt. (uw) Eine zivile Übergangsregierung soll Fidschi zur
Demokratie zurückführen. Suva. - Die Putschisten auf den Fidschi-Inseln haben am
Sonntag ein Abkommen zur Beendigung der seit sieben Wochen andauernden
Geiselnahme im Parlament unterzeichnet. Der Übereinkunft zufolge sollen die 27
Geiseln, unter ihnen der gestürzte Ministerpräsident Mahendra Chaudry, am
Donnerstag auf freien Fuss gesetzt werden. Ausserdem verpflichteten sich die
Geiselnehmer um den Geschäftsmann George Speight, an diesem Tag ihre Waffen
abzugeben. Es handelt sich um das erste Abkommen zwischen den Putschisten und
der Militärführung nach wochenlangen Verhandlungen. Der Vertrag sieht weiter vor, dass der einflussreiche
Grosse Stammesrat in Kürze einen neuen Präsidenten, Vizepräsidenten und eine
zivile Übergangsregierung bestimmt, die Fidschi zur Demokratie zurückführen
sollen. Militärmachthaber Frank Bainimarama hatte erst vor wenigen Tagen eine
Übergangsregierung ernannt, die die Putschisten jedoch ablehnten. Bainimarama,
der das Abkommen mit unterzeichnete, sagte, das Papier sei "nicht das Ende,
sondern der Beginn einer langen Reise". Rund 500 Anhänger Speights
verfolgten die Unterzeichnung. Unklar blieb zunächst, ob die Freilassung der
Geiseln auch die 28 am Samstag von den Putschisten festgenommenen Soldaten und
Polizisten einbezieht. Speight hatte zusammen mit sechs bewaffneten Komplizen
am 19. Mai das Parlament gestürmt und zahlreiche Mitglieder der demokratisch
gewählten Regierung als Geiseln genommen. 27 Menschen werden noch immer im
Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Suva festgehalten. Nach der zweiten
Geiselnahme haben die Aufständischen damit fast 60 Menschen in ihrer Gewalt.
Die Putschisten haben Bainimarama wiederholt zum Rücktritt aufgerufen. Die
Streitkräfte übernahmen Ende Mai die Kontrolle. Obwohl das Militär die
meisten von Speights Forderungen erfüllt hat - darunter die Entmachtung der
indischen Minderheit auf Fidschi und die Entwertung der Verfassung von 1997 -,
konnte die Staatskrise bislang nicht gelöst werden. (AP) In der Pazifiknation Fidschi hat die Militärführung
eine zivile Interimsregierung ernannt. Sydney. - Sieben Wochen nach der Geiselnahme von
Premierminister Mahendra Chaudhry ist der Bankier Laisenia Qarase als neuer
Ministerpräsident eingesetzt worden. Laut Armeechef Frank Bainimarama soll ein
Kabinett mit 19 Mitgliedern während 18 Monaten die Geschicke des Landes führen.
Danach würden Neuwahlen ausgerufen. Qarase und seine Minister sollen heute
Dienstag vereidigt werden. Dem Kabinett werden voraussichtlich keine indischstämmigen
Politiker angehören. Zwei indischstämmige Kandidaten hätten ihre Berufung
abgelehnt, hiess es in Militärkreisen. Angeblich fürchten sie um ihre
Sicherheit. Beobachter waren sich am Montag nicht im klaren darüber,
welche Konsequenzen die jüngste Entwicklung für das seit 19. Mai dauernde
Geiseldrama haben wird. Bewaffnete Rebellen unter der Führung von George
Speight hatten vor sieben Wochen das Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Suva
gestürmt und Premierminister Mahendra Chaudhry sowie 26 weitere Geiseln
festgenommen. Speight hatte den Rücktritt des indischstämmigen
Chaudhry verlangt. Der Rebell und seine Anhänger fordern mehr Rechte für die
indigenen Bewohner des Inselstaates und eine Rückkehr zur früheren Verfassung,
unter der indischstämmige Fidschianer aufgrund ihrer Rasse benachteiligt waren.
Chaudry wurde in der Folge abgesetzt und verhaftet. Laut Korrespondenten in Suva bereitet sich das Militär
in Fidschi auf eine Stürmung des Parlaments vor. Umliegende Gebäude waren
vergangene Woche geräumt worden, nachdem Speight vier seiner Geiseln
freigelassen hatte. In der Küstenstadt Sigatoka soll ein Oberst eine
Spezialeinheit auf die Befreiung der restlichen Geiseln vorbereiten. (uw) Suva. - Das Militär auf den Fidschi-Inseln will eine
neue Zivilregierung ernennen, ohne weiter mit den Putschisten zu verhandeln.
"Tausende Menschen verlieren ihre Arbeit und haben nichts zu essen, das
ganze Land wird erpresst", sagte ein Militärsprecher. Die Armee werde
weiterhin die Macht ausüben, aber möglicherweise noch diese Woche eine Übergangsregierung
ernennen. (AP) Suva/Sydney. - Auf den Fidschi-Inseln haben die
Putschisten nach fünf Wochen vier ihrer 31 Geiseln freigelassen. Die Aufständischen
liessen alle weiblichen Gefangenen gehen. Weiter festgehalten werden im
Parlament 27 Regierungsmitglieder und Abgeordnete, unter ihnen der bisherige
Regierungschef Mahendra Chaudhry. Ungeachtet der versöhnlichen Geste brach die
Militärregierung die Verhandlungen mit den Putschisten zur Beendigung der Krise
am Sonntag ab. Die Gespräche steckten in der Sackgasse, die Geiselnehmer präsentierten
immer neue Forderungen, sagte ein Militärsprecher. Putschistenführer Speight
drohte, die Geiselnahme könne noch einen Monat weitergehen. Die Gefangenen kämen
erst frei, wenn das Militär die Macht dem Rat der Häuptlinge übertrage, einer
Vertretung der Fidschi-Ureinwohner. Die australische Regierung hat sich unterdessen bereit
erklärt, den abgesetzten Premier Mahendra Chaudhry aufzunehmen. Der
australische Regierungschef John Howard teilte mit, dieses Angebot gelte auch für
andere Einwohner indischer Herkunft der Fidschi-Inseln. (SDA) Australien fürchtet, dass die Putschserie im Südpazifik
nach Fidschi und den Salomoninseln weitergeht. Von Urs Wälterlin, Canberra "Wer seine Nachbarn vernachlässigt, muss dafür
bezahlen", fasste der frühere australische Labor-Minister Gordon Bilney
die breite Kritik an der australischen Regierung zusammen. Viele sind überzeugt,
Canberra sei für den Putsch auf den Salomoninseln mit verantwortlich. In der Tat hätte die australische Regierung genügend
Anhaltspunkte gehabt, um den Coup in Honiara voraussehen zu können. Schon vor
Monaten bat der von Rebellen festgesetzte, am Mittwoch jedoch wieder
freigelassene Premierminister Bart Ulufa'alu sie um Hilfe. Da sich seine
Polizisten mit den Rebellen ihrer jeweiligen ethnischen Gruppe solidarisierten,
fragte Ulufa'alu seinen australischen Amtskollegen um die Entsendung von
Sicherheitskräften an. Doch Howard winkte ab und offerierte stattdessen, für
50 Polizeibeamte aus Fidschi und anderen Pazifikstaaten zu bezahlen. Die
Polizisten kamen nie in Honiara an: Der Coup auf Fidschi Mitte Mai machte ihnen
einen Strich durch die Rechnung. John Howard hat sich in den letzten Jahren kaum noch um
gute nachbarschaftliche Beziehungen zu den Miniaturstaaten im Pazifik gekümmert.
Hilfsgelder in die Region im Umfang von 436 Millionen Franken pro Jahr flossen
zwar weiter. Doch unterliess es der Premier beispielsweise, in den letzten vier
Jahren, am Südpazifikforum teilzunehmen, wo die Regierungschefs der Region den
Austausch von Informationen pflegen. Ob eine aktivere Politik Canberras die unterschwelligen
Spannungen in einer Reihe vor allem melanesischer Staaten jedoch hätte
verhindern können, ist zumindest zweifelhaft. "Wir verlangen vielleicht zu
viel von diesen ehemaligen Kolonien, wenn wir glauben, sie seien
Nationalstaaten", sagt James Clad von der Georgetown University in
Washington. Howards Hinweis, die Salomoninseln müssten mit ihren Problemen
selber zurechtkommen, ist nach Ansicht vieler Experten nicht falsch. Denn die Gründe
für die Konflikte liegen nicht nur in den ethnischen Spannungen. Jahrzehntelang
wurden sie von Kolonialmächten ausgebeutet, und die wenigsten haben heute
nennenswerte Einkommensquellen. Die oft vorhandene, aber wegen der grossen
Distanz zum Rest der Welt kleine Tourismusindustrie reicht nicht aus, die Bevölkerung
zu ernähren. Viele Pazifikstaaten leben zu einem wesentlichen Teil
von Auslandsunterstützung, James Clad spricht gar von eigentlichen
"Entwicklungshilfe-Junkies". Die Cook-Inseln, die auf dem Papier noch
teilweise von Neuseeland verwaltet werden, haben eines der höchsten
Budgetdefizite der Welt. Mehrere Regierungen im Südpazifik haben beschlossen,
ihre Staatskasse mit illegalen Mitteln aufzustocken - etwa mit dem Verkauf von Pässen
an chinesische Verbrechenssyndikate oder - wie im Fall von Nauru - mit Geldwäscherei.
Früher hat Nauru Phosphat abgebaut und exportiert. Die Bestände dieses
Rohstoffs sind jedoch seit längerem erschöpft. Die Tatsache, dass sowohl auf den Salomoninseln als
auch auf Fidschi ethnische Spannungen Auslöser der Konflikte waren, erstaunt in
Australien und Neuseeland keine Beobachter. Auf Fidschi war es die indischstämmige
Bevölkerung, die Rebellenführer George Speight am 18. Mai dazu veranlasste,
die Regierung von Mahendra Chaudhry im Namen der indigenen Bevölkerungsmehrheit
zu stürzen. Auf den Salomonen war es der schwelende Konflikt zwischen den
Bewohnern der Inseln Guadalcanal und Malaita, der am Montag zu einem Coup führte.
In beiden Fällen wurde die schwierige ökonomische Situation durch eine
vermeintliche wirtschaftliche Übermacht einer einzelnen Volksgruppe verschärft.
Auf Fidschi sind die Inder dominant, auf der Salomoninsel Guadalcanal
kontrollieren übergesiedelte ehemalige Bewohner Malaitas den Grossteil der
Wirtschaft. Und wie auf Fidschi ist auch im Geschäftsleben auf den
Salomoninseln Korruption Teil des Alltags. Für Marie-Louise O'Callaghan, Korrespondentin der
Tageszeitung "The Australian" in Honiara, steht ausser Frage, dass die
Rebellen auf den Salomoninseln durch den Coup auf Fidschi ermutigt worden sind.
Sie befürchtet, dass Fidschi und die Salomonen nur der Beginn eines
eigentlichen "Dominos von Regierungsumstürzen" im Pazifik sind. In Canberra macht man sich ernsthaft Sorgen, dass es im
Nachbarland Papua-Neuguinea zu einer ähnlichen Entwicklung kommen könnte.
Premierminister Mekere Morauta sieht sich einer ähnlichen Situation gegenüber
wie seine Amtskollegen auf Fidschi und den Salomoninseln: Ethnische Spannungen
im Vielvölkerstaat blockieren die wirtschaftliche Entwicklung, Korruption und
Kriminalität nehmen ständig zu, die Staatskasse lebt trotz des grossen
Rohstoffreichtums zu einem wesentlichen Teil von Auslandshilfe. Howard lobte
Morauta als einen "ehrlichen Premierminister, der eine korrupte politische
Kultur herausfordern will". An genau diesen Idealen sind Morautas
Amtskollegen in Suva und Honiara gescheitert. Die Militärregierung auf Fidschi hat sich der Haupt-
forderung der Putschisten gebeugt und die multi- ethnische Landesverfassung
aufgehoben. Von Urs Wälterlin, Sydney Militärkommandant Frank Bainimarama unterzeichnete am
Dienstag ein Dekret, das die 1997 geänderte Verfassung mit sofortiger Wirkung für
nichtig erklärt. Putschisten-Chef George Speight hatte gefordert, dass nur
eingeborene Fidschianer Regierungschef werden dürften. Speight hält sich seit
dem 19. Mai mit rund 30 Geiseln - unter ihnen der indischstämmige Ministerpräsident
Mahendra Chaudhry - im Parlament verschanzt. Mit Ratu Epeli Nailatikau wurde ein
Schwiegersohn des am Montag zurückgetretenen Präsidenten Mara zum Chef der Übergangsregierung
bestimmt. Laut Medienberichten verhandelte das Militär, welches das Kriegsrecht
ausgerufen hatte, mit den Putschisten über die Freilassung der Geiseln. Ein Armeesprecher erklärte, durch den Erlass kehre der
Inselstaat nun zur Verfassung von 1990 zurück, durch die Fidschianern der
Zugang zu hohen Regierungsämtern vorbehalten bleibt. Genau dies hatte der Geschäftsmann
und Putschisten-Chef Speight gefordert. Er geniesst Rückhalt in der Bevölkerung
und hat sich zum Anwalt der eingeborenen Fidschianer erklärt. Rund 44 Prozent
der 800 000 Einwohner des Inselstaates im Pazifik sind jedoch indischstämmig. Selbst in Australien und Neuseeland, zwei Staaten, die
sich ihrer sehr guten Kenntnisse Fidschis rühmen, wurde man vom Ausmass des
Aufstandes überrascht. Analysten sind allerdings der Meinung, dass der gegen
die indischstämmigen Fidschianer gerichtete Rassismus nur ein Teil des Bildes
ist. Sie glauben, dass der Aufstand genauso von Stammes- und Provinzrivalitäten
der indigenen Bewohner Fidschis angeheizt wird. Tatsächlich sind Machtkämpfe
zwischen den Vertretern einzelner Regionen in Fidschi Alltag. Auch die Geschäftsinteressen
der lokalen Politiker spielen eine Rolle bei den Rivalitäten zwischen den Stämmen.
Nach der überwältigenden Wahl der Chaudhry-Regierung
vor einem Jahr nahmen Nationalisten der damals kaum bedeutsamen Taukei-Bewegung
die Gelegenheit war und machten die "indische Dominanz" für sämtliche
inter-ethnischen Frustrationen der indigenen Bevölkerung verantwortlich. Das
Resultat war wachsender Unmut gegen die Inder, deren Vorfahren im 19.
Jahrhundert von den britischen Kolonialherren als Zuckerrohrarbeiter ins Land
gebracht worden waren und es zu wirtschaftlichem Erfolg gebracht hatten.
Mahendra Chaudhry, ein früherer Gewerkschaftsführer, nahm die Gefahr
allerdings nicht ernst und machte sich über die Demonstrationen der Taukei-Anhänger
lustig. Reformen der Landgesetze taten das ihre, um die Nationalisten weiter in
Rage zu bringen. Indigene Fidschianer kontrollieren 83 Prozent des Bodens, den
sie an indischstämmige Bauern verpachten. Chaudhry wollte die Landgesetzgebung
unter seine direkte Kontrolle bringen - ein Affront für Nationalisten wie
George Speight. Suva. - Am elften Tag der Geiselkrise auf den
Fidschi-Inseln hat das Militär die Macht ergriffen und das Kriegsrecht verhängt.
Der Armeekommandeur Bainimarama hat Präsident Mara abgesetzt und sich selbst
zum Machthaber ernannt. Das Militär zog damit die Konsequenzen aus der
dauernden Krise auf dem Pazifik-Inselstaat, die durch den Putschversuch des
Geschäftsmanns George Speight entstanden war. (SDA) Das Konzil der Häuptlinge in Fidschi hat sich für die
Auflösung der Regierung von Premier Mahendra Chaudhry ausgesprochen. Von Urs Wälterlin, Sydney Auch am Donnerstag glich der Park beim Parlamentsgebäude
in der Hauptstadt Suva einem Festplatz. Frauen tanzten und sangen, zum Essen gab
es Spanferkel. Gleich daneben, im Parlamentsgebäude, ging die jüngste Tragödie
in Fidschi weiter. Der Geschäftsmann George Speight hatte am vergangenen
Freitag mit einer Gruppe bewaffneter Männer die Volksvertretung gestürmt und hält
noch immer 30 Menschen als Geiseln, unter ihnen der Premier und mehrere
Minister. Am Donnerstag teilte das mächtige Konzil der Häuptlinge
mit, es habe mit Präsident Kamisese Mara einen Kompromiss ausgehandelt. Danach
soll die Regierung für drei Jahre neu besetzt werden. Premierminister Mahendra
Chaudhry werde durch einen indigenen Bewohner Fidschis abgelöst. Er müsse von
seinem Amt zurücktreten. Speight und seine bewaffneten Anhänger würden für
den Coup nicht zur Verantwortung gezogen. Chaudhrys Laborpartei hat vor einem Jahr nach einem
Wahlsieg die Macht in Suva übernommen. Speight und seine Anhänger behaupten,
die indische Minderheit in Fidschi beschneide die Rechte der indigenen Bewohner
des Inselstaates. Die Nachkommen indischer Plantagenarbeiter kontrollieren heute
wesentliche Teile der Wirtschaft in Fidschi und pachten Boden von indigenen
Fidschianern. Speight erklärte die Verfassung als aufgehoben und will den
Indern das Wahlrecht entziehen. Während es in Suva zu Plünderungen und
Brandschatzung indischer Geschäfte kam, wuchs die Anhängerschaft der
Putschisten schnell an. Experten meinten am Donnerstag, die Stammesführer hätten
bei dem Entscheid nicht an die Reaktion der internationalen Gemeinschaft
gedacht. Australien, traditionell ein enger Verbündeter von Fidschi, reagierte
mit Empörung auf die Nachricht aus Suva. Aussenminister Alexander Downer sagte,
er werde einen erzwungenen Rücktritt des demokratisch gewählten Chaudhry nicht
akzeptieren und gegen Fidschi wirtschaftliche und politische Sanktionen
durchsetzen. Verschiedene Beobachter glauben, Premierminister
Mahendra Chaudhry werde nicht freiwillig von seinem Amt zurücktreten. "Er
ist ein sehr starker Mann", sagt ein früherer Ministerkollege. Der erste
indischstämmige Regierungschef von Fidschi wird von den Putschisten noch immer
als Geisel gehalten. Er wurde schon mehrmals misshandelt und mit dem Tode
bedroht. Das Urteil der Häuptlinge hat die Situation der Inder
in Fidschi weiter verschlechtert. Auch am Donnerstag gingen die Angriffe auf
Geschäfte indischer Bewohner weiter. Mehrere Häuser wurden geplündert und in
Brand gesteckt. Die Ausschreitungen haben sich inzwischen auf andere Regionen
der Republik ausgedehnt. In Fidschi wird das Parlament weiterhin besetzt. Der Rädelsführer,
George Speight, ist ein Geschäftsmann mit dubioser Vergangenheit. Von Urs Wälterlin, Christchurch (Neuseeland) George Speight, der mit einer Gruppe bewaffneter Männer
Premierminister Mahendra Chaudhry in seine Gewalt genommen hatte, war vor
wenigen Tagen noch ein Unbekannter. Heute hält er buchstäblich den Finger am
Drücker und wird massgeblich über die Zukunft des Pazifikstaats entscheiden.
Freunde aber scheint sich der ehemalige Computerfachmann und Anlageberater in
der Vergangenheit wenige gemacht zu haben. Sogar seine eigene Stiefmutter
bezeichnet ihn und seine Anhänger als eine "Bande von Schlägern". Für
den neuseeländischen Aussenminister Phil Goff ist Speight schlicht ein
"Gauner" und "Terrorist". Vor kurzem stand Speight wegen
Vergehen gegen die Fremdwährungsgesetze und Erpressung vor Gericht. Trotz seines Schlachtrufs "Fidschi den
Fidschianern" ist George Speight kein indigener Bewohner des Inselstaats.
Das sagen jedenfalls seine Kritiker. "Er spricht nicht einmal richtig die
einheimische Sprache", so Ben Padarath, Sohn des Sozialministers von
Fidschi. Trotzdem scheint Speight mit seiner gegen die indische Minderheit
gerichteten Polemik den Nerv indigener Fidschianer getroffen zu haben. Seit
Beginn der Geiselnahme vor fünf Tagen nimmt die Unterstützung für den glatzköpfigen
Coup-Anführer stündlich zu. Am Dienstag standen die Menschen von Fidschi
Schlange, um ihn umarmen und küssen zu können. Inzwischen hat der einflussreiche Rat der Stammesführer
Speights Putschversuch verurteilt. In einer Stellungnahme hiess es, der Rat
unterstütze Präsident Ratu Sir Kamisese Mara und verlange eine sofortige
Freilassung der Geiseln. Putschistenführer George Speight, der sich seit Tagen
mit Anhängern im Parlamentsgebäude verschanzt hält, hatte zunächst seinen Rückzug
für den Fall angekündigt, dass das Gremium seinen Umsturzversuch nicht
billige. Später relativierte er diese Aussage. Das Konzil der Stammesführer
ernennt den Präsidenten von Fidschi. Dieser wiederum setzt den Regierungschef
ein. Während sich der erste indisch-stämmige Premierminister, Mahendra
Chaudhry, trotz Pistole am Kopf weigert, sein Amt niederzulegen, ist sich auch
die übrige Welt einig, dass sie einen mit Waffengewalt erzwungenen
Regierungswechsel nicht tolerieren will. Die neuseeländische Premierministerin,
Helen Clark, kündigte den Rückzug ihres Botschafters an, sollten die Rebellen
siegen und den indisch-stämmigen Bewohnern - wie angedroht - das Wahlrecht
entziehen. Ein Apartheidstaat wäre aber genau das, was Speight möchte. Am
Dienstag sagte er, dass die indigenen Einwohner von Fidschi einen Exodus der
Inder "in Kauf nehmen" würden, um das "Recht auf
Selbstbestimmung wiederherzustellen". Sein Hass gegen die 43 Prozent
Fidschianer, die von indischen Plantagenarbeitern abstammen und heute
wesentliche Teile der Wirtschaft kontrollieren, ist tief verwurzelt. Das zeigen
seine wiederkehrenden, offen rassistischen Sprüche. Im Übrigen dürfte Speights persönliche Geschichte
wesentlich zu den jüngsten Ereignissen in Fidschi beigetragen hat. Als Mahendra
Chaudhry vor einem Jahr zum ersten indisch-stämmigen Premierminister gewählt
wurde, entliess er als erstes den zwielichtigen Direktor des staatlichen
Holzindustrie-Unternehmens - und der hiess George Speight. Suva. - Die Putschisten auf den Fidschi-Inseln haben
mit der Tötung ihrer Geiseln gedroht, falls der Präsident des Südseestaates
die Macht nicht abgibt. Am Sonntag liessen die Rebellen jedoch neun ihrer im
Parlamentsgebäude in Suva festgehaltenen Geiseln frei. Präsident Ratu Sir Kamisese Mara erklärte im
Fernsehen, er werde nicht auf die Forderungen der Aufständischen eingehen und
sich auch nicht mit Putschistenführer George Speight treffen. Er hoffe aber
immer noch, dass die Krise friedlich gelöst werden könne. Speight hatte am Freitag mit bewaffneten Begleitern das
Parlament gestürmt und Regierungschef Mahendra Chaudry und einige
Kabinettsmitglieder, darunter auch Maras Tochter, als Geiseln genommen (TA vom
Samstag). Die nationalistische Opposition schlug sich unterdessen auf die Seite
der Putschisten. In einer gemeinsamen Erklärung forderten die Oppositionsführer
Präsident Ratu Mara zum sofortigen Rücktritt auf und warnten vor einem
drohenden Bürgerkrieg. Ratu Mara habe "den Kontakt zum Volk der Fidschi
verloren". (SDA) Bewaffnete Zivilisten haben auf der Südpazifikinsel
Fidschi das Parlament gestürmt und die Regierung unter Hausarrest gestellt. Suva. - "Die Lage spitzt sich weiter zu. Überall
brennt es, überall wird geplündert", berichtete am Freitagabend ein
Fernsehjournalist von der Insel Fidschi. Was der Reporter mit dramatischen
Worten zusammenfasste, ist das Resultat des dritten Putsches, den der Inselstaat
Fidschi in 13 Jahren durchmacht. Am Morgen hatte eine Gruppe von bewaffneten Zivilisten
im Anschluss an eine Demonstration das Parlament gestürmt und Premierminister
Mahendra Chaudry sowie sieben seiner Kabinettskollegen unter Hausarrest
gestellt. Die Putschisten unter der Führung des Geschäftsmannes George Speight
erklärten sich zur neuen Regierung und hoben die Verfassung auf. In der
Hauptstadt Suva wurden an mehreren Orten Feuer gelegt und Läden geplündert.
Zeugen wollen aus dem Parlamentsgebäude Schüsse gehört haben. Bis
Freitagabend lagen keine Angaben über mögliche Tote oder Verletzte vor. Präsident
Kamisese Mara erklärte den Ausnahmezustand und meinte, die Machtübernahme sei
illegal. In Suva bekundeten 5000 Demonstranten ihre Unterstützung
für den Putsch, der sich offenbar gegen den Einfluss der indischen Minderheit
richtet. Die Putschisten schlugen am ersten Jahrestag des Wahlsiegs von
Premierminister Mahendra Chaudry zu, der indischer Abstammung ist. 44 Prozent der 813 000 Inselbewohner sind indischer
Abstammung, 51 Prozent Fidschianer. Chaudry wurde von Fidschi-Nationalisten
zuletzt immer heftiger vorgeworfen, eine proindische Politik zu betreiben.
Protestkundgebungen hatte Chaudry zu Beginn des Monats verboten. Am 28. April
hatten Tausende gegen seine Regierung demonstriert. Neuseeländische Diplomaten wiesen darauf hin, dass die
Streitkräfte den Putsch zunächst nicht unterstützt hätten. Die Situation
entspreche eher einer Geiselnahme als einem Staatsstreich. Mit den Putschisten nahm der frühere Oberst Rabuka im
Parlament Verhandlungen auf, wie das neuseeländische Aussenministerium meldete.
Rabuka hatte selbst zweimal geputscht und dann zwölf Jahre in Fidschi regiert. (uw./AP)
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